Wird der Tesla Cybertruck in Deutschland zugelassen? Pro und Contra

von | 07. August 2021 | Tesla Cybertruck, Tesla-Modelle | 0 Kommentare

Der Cybertruck ist unter Tesla-Fans ein heiß diskutiertes Thema. Wie kein anderes Auto verkörpert er die Quintessenz der Marke – er ist futuristisch, vollelektrisch und mutig im Design und den Features. Kein Wunder also, dass laut Elon Musk bereits drei Tage nach der Vorstellung 250.000 Reservierungen vorlagen. Wieder einmal hatte Tesla ein außergewöhnliches Produkt kreiert und den Kundengeschmack genau getroffen.

Doch seither ist es etwas ruhiger geworden um den Pick-up. Mehr als anderthalb Jahre nach der Premiere stehen die Interessenten immer noch mit ihrer Vorbestellung da – erst allmählich zeichnen sich erste Auslieferungspläne und –daten ab. Dazu gesellt sich insbesondere für deutsche Fans noch eine andere von Experten eingeworfene Frage: Bekommt der Cybertruck in Deutschland überhaupt eine Zulassung? 

Warum das bisher mehr als fraglich ist und wo die Probleme liegen, werden wir hier etwas genauer untersuchen.

Der Tesla Cybertruck – kein gewöhnliches Fahrzeug

Der 2019 vorgestellte Cybertruck ist der erste Pick-up der Marke Tesla und einer der ersten seiner Art mit vollelektrischem Antrieb. In den USA, dem Land der großen und noch größeren Autos, soll er wohl den Platzhirschen von Ford, Chevrolet und Co. Konkurrenz machen.

Wer nun denkt, Elon Musk hätte einfach einem „gewöhnlichen” Fahrzeug wie dem Bestseller Ford F-150 einen E-Motor verpasst und ansonsten auf dessen Popularität vertraut, liegt aber weit daneben. Im hart umkämpften amerikanischen Pick-up-Markt gehören schon etwas Kreativität und Mut dazu. Außerdem wäre Tesla nicht Tesla, wenn der Cybertruck kein Aufsehen erregen würde – und das tut er. Mit einem extrem kantigen Design, dunklen Fensterflächen und durchgängigen Lichtbändern könnte der Truck gut einem Science-Fiction-Film entsprungen sein; er erinnert ein bisschen an Militärjets und –schiffe mit Stealth-Technologie. 

Auch der Innenraum scheint seiner Zeit voraus. Mit dem Tesla-üblichen Mega-Display und sportlichen Sitzen wirkt er sauber und ultra-modern, fast, als könne die Kabine in Zukunft auch in einer SpaceX-Rakete zu finden sein.

Doch das ist noch nicht alles: Zum außergewöhnlichen Design gesellen sich auch außergewöhnliche Features wie zum Beispiel das angeblich schusssichere Glas. Auch die Seitenwände sind extrem stabil, sie sollen einem Vorschlaghammer ohne Verformung standhalten. Beides wurde von Elon Musk und seinem Technikchef persönlich bei der Premiere demonstriert und verschaffte dem Cybertruck große Aufmerksamkeit, – obwohl, oder vielleicht auch gerade weil das angebliche Sicherheitsglas brach.

Der Tesla Cybertruck macht seinem Namen also volle Ehre: Er ist ein brachiales Science-Fiction-Gefährt mit Endzeit-Vibe und allerhand passender Features. Er war eine gewagte Wette aus dem Hause Musk, um den amerikanischen Pick-up-Markt aufzumischen. Glaubt man den Vorbestellungszahlen und vielen begeisterten Berichten, so ist diese Wette voll aufgegangen.

Cybertruck-Zulassung – Pro und Contra

Der Tesla Cybertruck ist also ein voller Hit und der Traum vieler Fans der Marke. Manch einer wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich damit durch die Gegend zu schippern. Wenn da nicht das Problem der Zulassung wäre. Was also ist da eigentlich genau los?

Damit ein Fahrzeugtyp auf deutschen Straßen unterwegs sein darf, muss er zuerst eine Straßenzulassung von den Behörden erhalten. Diese ist etwa in puncto Sicherheit oder Abgaswerte an bestimmte Bedingungen geknüpft. Heutzutage ist das Prozedere im Normalfall nur noch Formsache, – schließlich sind den Herstellern die Regeln und ihre grundlegende Umsetzung seit Jahrzehnten bekannt. Der Tesla Cybertruck allerdings tanzt hier aus der Reihe, seine Zulassung ist fraglich. Warum?

Das spricht gegen die Cybertruck-Zulassung in Deutschland

Gegen eine Zulassung in Deutschland spricht beim Cybertruck dummerweise genau das, was ihn ausmacht: Sein unverwechselbares Design und die Sicherheitsfeatures. So dürfen private PKW etwa hierzulande keine schusssicheren Scheiben haben, diese sind Fahrzeugen von Diplomaten und Politikern vorbehalten.

Auch in puncto Knautschzone (also Insassenschutz) und Fußgängersicherheit gibt es strenge Vorgaben – blöd nur, dass der Tesla Cybertruck mit seinen Ecken und Kanten auf hochsteifen, kaltverformten Edelstahl setzt, der in beiden Fällen keine gute Figur macht. Er ist nämlich so schwer verformbar, dass angeblich sogar die Stempelpressen Probleme haben, die Teile vernünftig zu formen. Daher kommt auch das kantige, glatte Design; komplizierte Formen macht das Material einfach nicht mit.

Doch was heißt das für die Sicherheit? Bei einem möglichen Unfall wird die enorme Aufprallenergie nicht durch sich verformendes Material aufgenommen, sondern einfach durch die Struktur an die Insassen weitergeleitet. Bei solchen Kräften helfen dann auch die besten Airbags und Sicherheitsgurte nichts mehr – und wie der Unfallgegner nach der Kollision mit dem Cybertruck aussieht, möchte man sich gar nicht erst vorstellen. 

Kurz gesagt: Eine solche „Brechstange” von Auto wird es vermutlich schwer haben, die Schreibtische der Zulassungsbehörden zu passieren.

So könnte Tesla den Cybertruck „Deutschland“-fit machen

Fest steht: Für eine Zulassung in Deutschland müsste Tesla noch etwas am Cybertruck herumbasteln. Dass das beim Tatendrang eines Elon Musk prinzipiell kein Problem sein dürfte, ist klar. Die Frage ist also eher, ob sich das Ganze überhaupt lohnt, sprich ob genügend Nachfrage vorhanden ist und ob sich die Veränderungen im Preis niederschlagen.

Das Problem der Nachfrage müsste zwar abschließend wohl von einem Marktforschungsinstitut geklärt werden, ein gesteigertes Interesse für große, schwere Autos ist aber definitiv vorhanden. Dazu kommt, dass sich mittlerweile auch in Deutschland eine relativ starke Tesla-Community etabliert hat, die sich wohl nichts sehnlicher wünscht, als einmal einen Cybertruck zu fahren.

Auch für den Preis sollte die Anpassung an deutsche Gesetze bei näherer Betrachtung wohl keine ausschlaggebende Rolle spielen, denn prinzipiell sind nur Anpassungen in zwei Bereichen nötig. Zum einen müsste Tesla die Sicherheitsscheiben durch „normale” Scheiben ersetzen, was wohl kaum teurer, sondern eher billiger sein wird. Der zweite und problematischere Punkt ist die Karosserie: Der drei Millimeter dicke Edelstahl müsste zumindest an relevanten Aufprallpunkten – und das sind nicht wenige – durch besser verformbare Materialien ersetzt werden. Wie sich das auf den Preis auswirkt ist unklar. Allerdings ist man als Kunde vermutlich bereit, für mehr Sicherheit auch mehr zu zahlen.

Und ja, wahrscheinlich könnte man dann nicht mehr mit einem Vorschlaghammer auf sein Auto eindreschen, – aber ganz ehrlich: Braucht man das?

Kleines Zwischenfazit also: Der Tesla Cybertruck müsste für eine Zulassung in Deutschland ziemlich sicher noch etwas umgebaut werden. Die notwendigen Veränderungen liegen aber durchaus im Bereich des Machbaren und sind daher nur eine Frage der Zeit beziehungsweise auch der Nachfrage. 

Zulassung als Traktor oder in anderem EU-Land?

Wie bei fast allem gibt es natürlich auch bei der Zulassungsfrage einige Notlösungen. So könnte der Pick-up etwa als landwirtschaftliches Gerät angemeldet werden (ähnlich einem Traktor), was aber natürlich Nachteile mit sich bringt. So könnte die Geschwindigkeit limitiert sein und auch ein anderer Führerschein (Klasse T) wäre vonnöten.

Eine weitere Option ist die Zulassung in einem anderen EU-Land mit weniger strengen Vorgaben – denn ist ein Auto innerhalb der Europäischen Union erst einmal legal unterwegs, darf es in allen Mitgliedsstaaten gefahren werden.

Wie man sieht, gibt es also die ein oder andere Notlösung für den „Ernstfall”, auch wenn etwas Kreativität benötigt wird. Doch wie sagt man so schön: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Was sagt Tesla selbst dazu?

Natürlich weiß auch Tesla als internationales Unternehmen um die Schwierigkeiten der Cybertruck-Zulassung. Dennoch gibt es noch kein offizielles, finales Statement des Unternehmens. Der unbedarfte Kunde kann bisher mit Recht davon ausgehen, auch in Deutschland bald einen Cybertruck kaufen zu können.

Inoffiziell hingegen erwähnte Elon Musk in einem Gespräch mit Moderator Jay Leno die mögliche Entwicklung eines kleineren E-Pick-ups für den europäischen Markt.

Es ist also denkbar, dass der Tesla Cybertruck nie dafür gedacht war, die USA zu verlassen, wo er als Light-Duty-Truck (also ein kleiner LKW) ohne Probleme zugelassen werden kann. Vielleicht bekommt er einen „kleinen Bruder”, um den sich die europäischen Fans reißen dürfen. Wann genau die Entscheidung fällt, weiß niemand, ein geeigneter Zeitpunkt wäre aber der geplante Produktionsstart Ende 2021. Denn obwohl die Frage der Zulassung ungeklärt ist, ist der Tesla auch in Deutschland für 100 Euro reservierbar – mit dem Hinweis, die Spezifikationen bezögen sich auf die USA.

Ob einem die Reservierung also einen (modifizierten) Cybertruck einbringt, sie auf ein geplantes kleineres EU-Modell umgeschrieben wird oder, wie manche munkeln, nur dafür da ist, die Zahl der Vorbestellungen in die Höhe zu treiben, darüber gibt es keine offiziellen Informationen. Wie bei Tesla leider üblich, heißt es also auch hier: Abwarten und Tee trinken!

Fazit

Fakt ist: So wie der Cybertruck momentan konzipiert ist, wird er wohl nie (legal) auf deutschen Straßen unterwegs sein. Problemzonen sind die schusssicheren Fensterscheiben sowie die unsichere Karosserie. Die gute Nachricht: Diese Probleme kann man beheben – schließlich weiß Tesla, wie man sichere Autos baut. Die schlechte Nachricht: Wann (und ob überhaupt) das passiert, steht momentan noch in den Sternen.

Gut möglich ist nämlich auch, dass der Cybertruck ausschließlich dazu gedacht ist, Teslas Position im amerikanischen Pick-up-Markt zu stärken und dass er in weniger umkämpften Märkten gar nicht erst angeboten wird.

Der Produktionsstart für die USA ist Ende diesen Jahres angedacht. Wer es also gar nicht erwarten kann, den Tesla Cybertruck zu fahren, der plant am besten für 2022 einen Urlaub im fernen Amerika. Wer etwas mehr Geduld hat, kann Elon Musks Entscheidung abwarten und mit etwas Glück auch hierzulande bald einen (modifizierten) E-Pick-up sein Eigen nennen.

Quelle Beitragsbild: Mit freundlicher Genehmigung von Tesla, Inc.

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