SpaceX Falcon Heavy: Das ist die stärkste Rakete der Welt

von | 01. April 2022 | SpaceX, Elon Musk

SpaceX Falcon Heavy: Das ist die stärkste Rakete der Welt

Mit der Falcon 1 hat bei SpaceX alles angefangen, die Falcon 9 hat das Unternehmen groß gemacht. Die bis dato beeindruckendste Rakete ist die Falcon Heavy. Bestehend aus drei Falcon-9-Erststufen ist sie stärker als jedes Konkurrenzprodukt auf dem Markt und muss sich historisch gesehen nur der Mondrakete Saturn V geschlagen geben.

Alles über das Mega-Raumschiff von Elon Musks Raumfahrtunternehmen erfahren Sie in diesem Beitrag.

SpaceX Falcon Heavy: Technische Daten

Laut SpaceX kann die Falcon Heavy, die insgesamt über 1420 Tonnen wiegt, bis zu 64 Tonnen Nutzlast in den Erdorbit befördern, – doppelt so viel wie der nächste Konkurrent Delta IV Heavy und in etwa das Gewicht eines Boeing 737 Kurzstreckenjets. Damit das funktioniert, hat man drei Erststufen der Falcon 9 zu einer Konstruktion verbunden, die über insgesamt 27 Merlin-Triebwerke verfügt und so 22.819 Kilonewton Schub (in etwa so viel wie 18 vierstrahlige Boeing 747) generiert.

Zwei der drei Erststufen fungieren als seitliche Booster, die kurz nach dem Start den Großteil der „Arbeit“ übernehmen. Sind sie ausgebrannt, trennen sie sich von der Rakete und die mittige Erststufe bringt die Ladung weiter voran. Anschließend trennt sich auch diese Stufe und übrig bleibt eine zur Falcon 9 identische Zweitstufe, die die Nutzlast trägt.

Alle drei Erststufen kehren nach erfolgter Trennung zur Erde zurück, landen auf Landeplätzen oder schwimmenden Plattformen im Meer und können anschließend in einer Falcon 9 oder Falcon Heavy wiederverwendet werden. SpaceX hat dieses Konzept bereits eindrucksvoll demonstriert, bei bisher drei Falcon-Heavy-Starts konnten sieben Stufen erfolgreich gelandet werden.

Insbesondere die beiden Booster, die parallel zueinander zur Erde zurückkehren, geben dabei ein imposantes Bild ab. Einziges Manko: Für die Landung benötigen die Raketenteile Treibstoff, den sie beim Start einsparen müssen. Dadurch sinkt die maximale Nutzlast, die vollen 64 Tonnen erhält man nur bei Einmalnutzung aller Komponenten.

Missionen und Tests: Ein Tesla Roadster im All

Foto: @Official SpaceX Photos via Flickr

Der erste Testflug der Falcon Heavy fand im Februar 2018 statt. Da das Risiko eines Zwischenfalls recht hoch war und die NASA einen wissenschaftlichen Satelliten als Test-Nutzlast ablehnte, entschied man sich für einen kuriosen Marketing-Trick: Im Frachtraum an der Spitze der Rakete befestigte man Elon Musks persönlichen Tesla Roadster, Baujahr 2010.

Nach erfolgreichem Start wurden das Auto und die mit ihm fest verbundene zweite Raketenstufe in eine Position versetzt, in dem sie nicht mehr die Erde, sondern die Sonne umkreisen.

Die Installation, die von manchen als orbitale Kunst gesehen wird, zeigt Musks Kreativität und unorthodoxe Ansätze: Auf dem Fahrersitz sitzt in lässiger Pose eine „Starman” genannte Puppe, aus dem Soundsystem ertönt „Space Oddity” von David Bowie. Eine Ausgabe von „Per Anhalter durch die Galaxis” liegt im Handschuhfach, auch die „Foundation Trilogie” ist auf einer sogenannten „5D Optical Disc”, – einem fortschrittlichen Speichermedium – dabei. Verschiedene Kameras im Wagen und an der Rakete nahmen nach dem Start den Tesla aus unterschiedlichen Winkeln auf und generierten unvergleichliche Bilder.

Neben dem Marketing-Gag hatte die Mission aber auch einen tatsächlichen Nutzen. SpaceX konnte demonstrieren, dass die Falcon Heavy schwere Satelliten in den geostationären Orbit befördern und große Nutzlasten in Richtung anderer Himmelskörper wie Mond oder Mars schicken konnte.

Nach diesem Test fanden bisher nur zwei weitere Missionen statt, beide im Jahr 2019. Einmal wurde ein arabischer Kommunikationssatellit befördert, das andere Mal mehrere Satelliten aus verschiedenen Staaten. Dies war besonders komplex, da durch die unterschiedlichen Zielhöhen die zweite Stufe vier Mal zünden musste. Es lief dennoch alles glatt, sogar die Nutzlastverkleidung konnte erstmals geborgen werden – lediglich die zentrale Erststufe legte eine Bruchlandung hin.

Falcon Heavy: Die bisher günstigste Rakete

Der hohe Grad an wiederverwendbaren Teilen macht die Falcon Heavy gemessen an der Tragfähigkeit zur preisgünstigsten Rakete am Markt. Ein Start kostet 90–150 Millionen US-Dollar, je nachdem, welche Komponenten wiederverwendet werden sollen. Damit sticht man den nächsten Konkurrenten, die Delta IV Heavy mit 400 Millionen Dollar Startkosten klar aus und liegt auch, je nach Konfiguration, deutlich vor der hauseigenen Falcon 9.

Trotz der bereits sehr kompetitiven Preise plant SpaceX mit dem komplett recycelbaren und nochmals wesentlich stärkeren Nachfolger Starship (mehr als 100 Tonnen Nutzlast), erneut deutlich billiger zu werden und eine Art Raketen-Massenproduktion zu starten. Dazu passen das einfache Edelstahl-Design und die angeblich bis zu tausend Mal nutzbaren Raptor-Triebwerke. Der Erstflug ist hier für 2022 geplant.

Zukünftige Missionen: LOP-G und Dragon XL

Bevor allerdings das Starship voll übernimmt, sind noch einige Missionen mit der Falcon Heavy geplant. Neben einigen Satelliten und Raumsonden spielt dabei besonders die international geplante Mond-Raumstation LOP-G eine Rolle. SpaceX entwickelt hierfür eine größere Version der Dragon-Kapsel („Dragon XL”), die der Station über mehrere Monate hinweg als Logistikmodul dienen soll. Sowohl für den Start dieser Kapsel als auch für den Start der restlichen Raumstation kommt die Falcon Heavy infrage, geplant ist das Ganze allerdings für frühestens 2024.

Meinungen, Kritik und Konkurrenz

Mit bisher nur drei Starts bietet die Falcon Heavy wenig Angriffsfläche für Kritik. Bedenken gab es allerdings gegen das Roadster-Projekt beim Erstflug. Manche befürchteten, das Auto könnte zum Weltraumschrott-Problem beitragen, was allerdings wenig wahrscheinlich ist, da der Tesla die Sonne umkreist und sich daher meist weit weg von der Erde befindet.

Außerdem wurde bemängelt, der Wagen sei ein nicht steriles Objekt, das bei Zusammenstoß mit einem fremden Himmelskörper diesen mit Bakterien von der Erde „verseuchen” könnte – allerdings, so die Hoffnung, dürften die allermeisten Lebewesen an Bord mit der Zeit durch Sonnenstrahlung unschädlich gemacht werden.

Ein Grund für mangelnde Kritik an der Rakete selbst ist mangelnde Konkurrenz. Ähnlich starke oder noch stärkere Raketen anderer Hersteller wie das Space Launch System von Boeing proben frühestens dieses Jahr ihren Erstflug, viele sind auch erst in einigen Jahren geplant. Bis dahin hat SpaceX mit dem Starship vermutlich ein Produkt in der Hand, das die Konkurrenz, die gerade erst die Falcon Heavy eingeholt hatte, wiederum aussticht.

Quelle Beitragsbild: @Official SpaceX Photos via Flickr

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