Tesla fährt die Produktion in Grünheide ab Juli wieder deutlich hoch. Werksleiter André Thierig bestätigt in einem neuen Interview eine Steigerung um 20 Prozent und erklärt, warum das neue Model Y jetzt schneller vom Band laufen soll.
Tesla erhöht Model-Y-Produktion
In der Gigafactory Berlin-Brandenburg steht der nächste Produktionsschub bevor. Wie Tesla-Werksleiter André Thierig in einem Interview mit den Tesla Owners Silicon Valley erklärte, soll die Fertigung des Model Y ab Juli um rund 20 Prozent steigen:
🚀 Exclusive Interview with André Thierig @AndrThie, Senior Director of Manufacturing at Tesla Giga Berlin!
— Tesla Owners Silicon Valley (@teslaownersSV) June 14, 2026
We sat down for a wide-ranging conversation covering the factory’s incredible journey, major recent milestones, manufacturing breakthroughs, factory culture, and what’s… pic.twitter.com/qzIQGmkZ2f
Aktuell laufe das Werk bei etwa 5.000 bis 5.200 Fahrzeugen pro Woche. Künftig peilt der Autobauer eine Rate von rund 6.200 Model Y pro Woche an. Möglich werde der Schritt vor allem dank einer angepassten Lieferkette, kürzeren Taktzeiten und zusätzlichem Personal.
Thierig machte deutlich, dass die Entscheidung nicht aus dem Nichts kommt. Tesla sehe infolge der massiv gestiegenen Nachfrage derzeit einen „ziemlich großen Auftragsbestand“ und müsse nun die Fertigungskapazität entsprechend steigern (aus dem Englischen übersetzt):
„Jetzt müssen wir so schnell wie menschlich möglich auf der Produktionsseite aufholen.“
Für Grünheide ist das ein wichtiges Signal. Nach der Umstellung auf das neue Model Y und der zeitweisen Drosselung der Linien fährt Tesla die Produktion wieder offensiver hoch.
1.000 neue Mitarbeiter
Um die höhere Stückzahl zu erreichen, will der Elektro-Pionier in Grünheide rund 1.000 neue Mitarbeiter einstellen. Diese sollen laut Thierig über verschiedene Stationen im Werk verteilt werden, damit die niedrigere Taktzeit in der Fertigung umgesetzt werden kann.
Der Werksleiter betonte, dass Tesla diesen Prozess bereits kenne. Das Werk habe ähnliche Produktionssteigerungen in der Vergangenheit mehrfach umgesetzt. Der „Ramp-up“ von rund 5.200 auf 6.200 Fahrzeuge pro Woche werde dennoch einige Wochen dauern.
Besonders wichtig ist dabei die Koordination mit der Lieferkette. Der Autobauer habe die Zulieferer bereits mit etwas Vorlauf auf die höhere Rate vorbereitet. Erst wenn die Versorgung der Fabrik stabil laufe, könne auch die Endmontage entsprechend hochgefahren werden.
Damit zeigt sich erneut, wie stark die Produktion in Grünheide inzwischen in Teslas europäische Strategie eingebunden ist. Rund 90 Prozent der Zulieferer befinden sich laut Thierig mittlerweile auf dem Kontinent. Das reduziert Abhängigkeiten von Übersee und stärkt das Argument „gebaut in Europa für Europa“.
Grünheide wird effizienter
Neben der höheren Stückzahl sprach Thierig ausführlich über die Fortschritte bei Automatisierung und Effizienz. Besonders beim Gigacasting habe das Werk große Schritte gemacht. Die Zykluszeit sei seit dem Start von etwa 130 bis 140 Sekunden auf rund 60 Sekunden gesunken.
Auch nach dem Gussprozess habe Tesla stark automatisiert: Vom Bauteil aus der Gießmaschine bis zum Karosseriebau gebe es inzwischen keine manuellen Berührungspunkte mehr. Früher hätten dafür laut Thierig noch zahlreiche Mitarbeiter manuell geschnitten und nachbearbeitet.
Weitere Automatisierungsschritte betreffen die Karosseriefertigung: Heckklappe, Fronthaube und Kotflügel werden inzwischen vollautomatisch gesetzt. Auch die Fahrzeuge selbst bewegen sich bereits autonom von den letzten Stationen im Werk in Richtung Versandbereich.
Thierig erklärte, dass die in Grünheide produzierten Fahrzeuge bereits seit Monaten selbstständig durch Teile der Fabrik fahren. Insgesamt seien so rund 150.000 Kilometer mit FSD innerhalb des Werks zurückgelegt worden. Das sei nicht nur ein Effizienzthema, sondern zeige auch die Leistungsfähigkeit der Fahrzeugsoftware unter realen Bedingungen in einer Produktionsumgebung.
Massiver Nachfrage-Boom bei Model Y
Ein Faktor für den Produktionsanstieg ist die Nachfrage nach dem neuen Model Y. Thierig räumte ein, dass es zum Start zunächst eine gewisse Zurückhaltung gegeben habe. Viele Medien hätten das Facelift als zu gering beurteilt.
Aus Sicht des Werksleiters greift diese Einschätzung aber zu kurz. Rund 70 Prozent der Teile gegenüber des Vorgängermodells seien neu oder überarbeitet worden. Sobald Kunden das Fahrzeug auf der Straße gesehen und getestet hätten, habe die Nachfrage spürbar angezogen.
Aktuelle Zahlen belegen die Hypothese: So sind die Tesla-Zulassungen in Deutschland im Mai um über 322 Prozent gestiegen. Einen großen Anteil an der gestiegenen Nachfrage hat das Model Y „Standard“ (Hinterradantrieb). Die günstigste Version des Elektro-SUV erfreut sich seit ihrer Einführung aufgrund des Preis-Leistungs-Verhältnisses europaweit großer Beliebtheit.
Besonders stolz zeigte sich Thierig auf die schnelle Umstellung der Produktion. Tesla habe das alte Model Y heruntergefahren, die Linien bereinigt, neue Teile eingeführt, Mitarbeiter geschult und die Produktion nach nur wenigen Tagen wieder hochgefahren.
350 Mio. Dollar Investition in Zellfertigung
Neben der Fahrzeugproduktion treibt Tesla auch die Batteriepläne in Grünheide voran. Thierig bestätigte Investitionen von insgesamt rund 350 Millionen US-Dollar in die Zellfertigung. Nach einer früheren Ankündigung über knapp 100 Millionen US-Dollar für 8 Gigawattstunden Kapazität habe Tesla schnell entschieden, direkt auf 18 Gigawattstunden zu gehen. Dafür seien weitere 250 Millionen US-Dollar vorgesehen.
Die Zellfertigung soll langfristig helfen, die Lieferkette in Europa widerstandsfähiger zu machen. Thierig betonte, dass Batteriezellen aktuell in den USA oder China günstiger produziert werden könnten, weil dort deutlich stärkere Förderstrukturen existieren. Strategisch sei es aber wichtig, die Zellen dort zu bauen, wo auch die Fahrzeuge entstehen.
„Wir wollen perspektivisch und strategisch in allen Regionen unabhängiger werden“, erklärte Thierig sinngemäß. Die geplanten 18 Gigawattstunden reichten zwar noch nicht für die gesamte Fahrzeugkapazität, seien aber ein wichtiger erster Schritt.
Auch CEO Elon Musk sieht offenbar großes Potenzial in Grünheide: Laut Thierig habe Musk in einem gemeinsamen Gespräch betont, dass die Gigafactory das Potenzial habe, zu einem der größten Produktionsstandorte Europas zu werden.
Thierig über FSD-Zulassung in Deutschland
Auch Teslas autonomes Fahren war Teil des Interviews. Thierig zeigte sich hoffnungsvoll, dass FSD Supervised in Europa nicht mehr Jahre entfernt ist. Er verwies auf die bereits erfolgten Genehmigungen in mehreren EU-Ländern und darauf, dass die Unterlagen derzeit von weiteren Mitgliedstaaten geprüft werden.
Für Deutschland bleibt die Freigabe weiterhin eine regulatorische Frage. Thierig selbst wollte keine konkrete Prognose abgeben, sagte aber, er hoffe auf Wochen oder Monate statt Jahre.
Die Bedeutung für Grünheide ist klar: Das Werk produziert nicht nur Fahrzeuge für Europa, sondern dient zunehmend auch als technologische Bühne für Tesla. Autonome Bewegungen innerhalb der Fabrik, Gigacasting, fortschrittliche Lackierung und die geplante Zellfertigung zeigen, wie stark das Unternehmen den Standort weiterentwickelt.
Was halten Sie von der Produktionssteigerung in Grünheide? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare.
Quelle Beitragsbild: Mit freundlicher Genehmigung von Tesla, Inc.
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